Achterbahn meets Cloud Computing: CloudFest feiert Premiere im Europa-Park Rust

Die Veranstalter werden sich schon etwas dabei gedacht haben: Aus den WHD WebHostingDays wurde dieses Jahr erstmals das CloudFest. Neuer Name, selbes Konzept, selbe Location. Wie schon in den vergangenen Jahren bestand die Veranstaltung aus einer mehrtägigen Konferenzveranstaltung mit begleitender Ausstellung und umfassendem Rahmenprogramm – Achterbahnfahrt inklusive. Allein schon deshalb machte es Sinn, als Veranstaltungsort wieder den Europa-Park Rust zu wählen. Doch auch der Vergnügungspark als Veranstaltungsort ist Teil des Konzepts. Schon die Vorgängerveranstaltung fand zuerst im Phantasialand bei Köln und dann seit 2012 im Europa-Park statt.

Ein weiteres Kriterium für die Veranstaltung ist die Internationalität. Laut Veranstalter nahmen dieses Jahr mehr als 6.500 Teilnehmer aus mehr als 80 Ländern teil. Konferenzsprache ist Englisch und auch auf der Ausstellung tummelten sich Unternehmen aus der ganzen Welt. Einige davon haben wir im Rahmen eines Messerundgangs besucht.

DigiCert: Weltweit größter Anbieter von SSL-Zertifikaten

DigiCert ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Anbieter von SSL-Lösungen sowie PKI- und IoT-Lösungen, die täglich mehr als 26 Milliarden Internet-Verbindungen absichern. Zu den Unternehmen, die DigiCert-Zertifikate einsetzen gehören u.a. Facebook, Twitter oder GitHub. Im letzten Jahr hatte DigiCert die Certificate Authority-Sparte von Symantec nebst deren Webseiten-Security-Lösungen übernommen. Wie uns ein DigiCert-Vertreter auf dem CloudFest erläuterte, sei DigiCert traditionell ein sehr innovatives Unternehmen, das seit der Übernahme nun auch über die weltweite Reichweite und Präsenz verfüge, um diese Innovationen an den Mann – oder die Frau – zu bringen. Wachstumspotential sieht man bei DigiCert neben dem IoT-Bereich vor allem im rasch wachsenden Bereich webbasierter Applikationen, auf die zukünftig natürlich über SSL-verschlüsselte Verbindungen zugegriffen werden muss. Aus diesem Grund wird das Thema SSL-Zertifikate und deren Management nicht nur von immer größerer Bedeutung für ISPs und Hoster, sondern auch für große Software-Anbieter und Unternehmenskunden, die ihre Lösungen cloudbasiert entwickeln.

ZeroStack: Kombination aus Public, Private und Hybrid Cloud

Die Firma ZeroStack hat zum CloudFest ein Cloud Innovation Partner Program angekündigt. Das Unternehmen aus Kalifornien hat eine Cloud-Plattform entwickelt, die die Vorteile einer Public Cloud mit der Sicherheit und den Kontrollmöglichkeiten einer Private oder Hybrid Cloud kombiniert. Die Plattform nutzt außerdem Machine Learning und KI-Technologien, mit denen das Provisionieren, Betreiben und Management von Cloud-Infrastrukturen automatisiert wird. Als Zielgruppe adressiert ZeroStack insbesondere Managed Service Provider, die von den Vorteilen einer autonomen Cloud auf Grundlage einer selbst betriebenen Infrastruktur profitieren möchten.
Mit der ZeroStack-Cloud haben beipielsweise Entwickler die Möglichkeit, beliebte DevOps-Tools mit geeigneten Rechen- Speicher- und Netzwerk-Ressourcen mit einem einzigen Klick bereitzustellen, während die IT-Abteilung die Kontrolle über die zugrundeliegende Infrastruktur behält. Außerdem nutzt ZeroStack maschinelles Lernen und Techniken der AI und kann so eine selbstheilende Architektur bereitstellen, mit der die IT-Kosten minimiert werden.

Weebly: Webseitenbaukasten und noch mehr

Wer Weebly bisher hauptsächlich als Baukasten für Webseiten kannte, der wurde auf dem CloudFest eines Besseren belehrt, denn dort war das Weebly Cloud-Team anwesend. Wie uns auf dem Stand erklärt wurde, sei dies quasi die zweite Phase der Firmenentwicklung. Nachdem man sich die ersten Jahre hauptsächlich um die Entwicklung der Baukastenplattform gekümmert habe, geht es nun darum, über die Weebly Cloud die Lösung als “Whitelabel”-Produkt anzubieten. Zielgruppe ganz klar: Hosting-Unternehmen, Telekommunikationsunternehmen (O-Ton Weebly: “The Deutsche Telekom would be a perfect fit!”) und so genannte “Yellow Page”-Unternehmen, also Firmen, die Firmenverzeichnisse anbieten und den dort gelisteten Unternehmen zusätzlich Weebly-Funktionen für ihren Eintrag auf der Plattform bieten möchten. Darüber hinaus sieht man auch für die Weebly Plattform selbst noch riesiges Potential, z.B. bei lokalen Geschäftsinhabern, die über wenig technisches Knowhow verfügen, aber dennoch den Weg in das Online-Zeitalter gehen (müssen). In den USA allein seien auch heute im Jahre 2018 noch die Hälfte aller Unternehmen ohne Internetauftritt.

Camilyo, Submer, Asperitas, CPL24

Die Firma Camilyo aus Israel bietet die gleichnamige Online-in-One-Lösung für kleine und mittlere Unternehmen. Ziel ist es, den KMUs einen Baukasten an die Hand zu geben, mit dem er in der Lage ist, seine Kunden auf deren “Customer Journey” im Web zu begleiten, ohne sich mit der dafür notwendigen Technik und den vielfältigen benötigten Software-Tools auseinanderzusetzen. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet, heute nutzen weltweit bereits 250.000 Unternehmen die Plattform, der Vertrieb erfolgt ausschließlich über Partner.

Submer Technologies ist ein Unternehmen aus Spanien, genauer gesagt aus Barcelona, das mit einer neuen Immersion Cooling-Lösung auf dem CloudFest vertreten war. Rechenzentrumsbetreiber können damit laut Submer um bis zu 99 % ihrer Kosten für die Kühlung ihrer IT-Systeme einsparen. Die “SmartPod”-Container des Unternehmens sind mit 800 Liter dielektrischer Flüssigkeit gefüllt. Ein ähnliches Kühlkonzept mit einer Art “Baby-Öl” (so beschrieb es der Mitarbeiter am Stand und ich durfte sogar mit dem Finger in die Flüssigkeit tauchen. Status zwei Tage später: Er ist noch dran) stellte die Firma Asperitas aus den Niederlanden.

Die Firma CPL24 aus Leipzig stellte auf dem CloudFest CPL24 Hoster vor, eine Lösunge zum automatisierten Infrastruktur- und Compliance Management für Cloud Service Provider. Im Mittelpunkt steht dabei das leidige Thema Lizenzreporting (z.B. SPLA Reporting bei Microsoft Produkten).

Snowden und Schrems auf einer Bühne

Inhaltliches Highlight des Besuchs auf dem CloudFest 2018 war sicher die Diskussionsrunde zum Thema “Die Zukunft des Datenschutzes nach der Einführung der DSGVO mit den illustren Gästen Edward Snowden und Datenschutz-Aktivist und “Facekbook-Schreck” Max Schrems. Während noch kurz vor Beginn der Runde gegrübelt wurde, ob Snowden wohl tatsächlich einen Vergnügungspark im Westen Deutschland gegen sein Moskauer Versteck getauscht habe und wer wohl in den dunklen Limousinen vor der Veranstaltungshalle sitzt, wurde dann in Form einer “no recording”-Einblendung auf dem Bildschirm des Konferenzsaals versichert, dass der Whistleblower tatsächlich live an der Diskussion teilnahm.

Diskussionrunde mit Edward Snowden und Max Schrems auf dem Cloudfest 2018
Diskussionrunde mit Edward Snowden und Max Schrems auf dem Cloudfest 2018

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