Cloud Computing-Markt Deutschland: Deutsche Wolke oder keine deutsche Wolke – das ist hier die Frage

Wenn deutsche Unternehmen sich für den Gang in die Cloud entscheiden, spielen der Rechenzentrumstandort und die Verfügbarkeit eines lokalen Ansprechpartners eine zentrale Bedeutung. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Ausgabe des Cloud Computing-Marktbarometers Deutschland zum Cloud Computing-Markt Deutschland, die Ende Februar 2018 vorgestellt wurde. Dass dies allein aber auch nicht ausreicht, muss derzeit wohl die Firma Microsoft erfahren.

Wie das Handelsblatt berichtet, ist die gemeinsam mit der Telekom gestartete Microsoft Cloud Deutschland anscheinend ein Flop.

Rechenzentrumstandort und lokaler Ansprechpartner als Vertriebsargument

“Welche Rolle spielt der Rechenzentrumstandort Deutschland bei der Vermarktung Ihrer Cloud Services?” So lautete eine der Fragen an die Teilnehmer des Cloud Computing-Marktbarometers Deutschland – in Deutschland tätige Cloud Service Provider und im Cloud Umfeld tätige Beratungsunternehmen.

Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017
Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017

Das Ergebnis ist eindeutig: Über 80 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die Rolle eines Rechenzentrumstandorts Deutschland als Verkaufsargument als zentral bzw. wichtig.

Unterstrichen wird diese Bedeutung dieses Arguments durch die Tatsache, dass selbst internationale Cloud Service Provider wie Microsoft, Google, Salesforce.com oder Amazon ihren Kunden eine “German Cloud” anbieten verbunden mit der Versicherung, dass ihre Daten deutschen Boden nicht verlassen.

Ergänzend zur Frage nach dem Rechenzentrumstandort wurden die Umfrageteilnehmer gefragt, welche Bedeutung ihrer Meinung nach ein “lokaler Ansprechpartner” als Vertriebsargument hat.

Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017
Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017

Das Ergebnis fällt ähnlich deutlich aus. Trotz fortschreitender Digitalisierung der Marketing- und Vertriebsprozesse in der IT und der Möglichkeit, weite Teile des Cloud Computing-Vertriebs- und Betriebs zu virtualisieren, scheint der Faktor Mensch – zumindest derzeit noch – bei der Vermarktung von Cloud Computing-Lösungen eine wichtige Rolle einzunehmen.

Microsoft Deutschland Cloud: Ein Flop (?)

Vor dem Hintergrund dieser Umfrageergebnisse verwundet die eingangs zitierte Handelsblatt-Meldung, dass die Microsoft Deutschland Cloud nicht so richtig „zünden“ möchte. Der amerikanische Softwarekonzern gehört zu der immer größeren Anzahl von Cloud Computing-Anbietern aus den USA, die speziell auf Wunsch ihrer deutschen Kunden eine „German Cloud“ anbieten. Zuletzt hatte Google im September 2017 eine “Cloud Region Deutschland” angekündigt. Andere US-Konzerne mit Cloud Computing-Angebot wie Oracle, Amazon oder Salesforce bieten diese Angebote ebenfalls aus Rechenzentren auf deutschem Boden an.

Anders als die genannten Firmen ging Microsoft allerdings einen Schritt weiter und entwickelte gemeinsam mit der Telekom-Tochter T-Systems ein so genanntes “Datentreuhandmodell”.

Bei diesem Modell kontrolliert T-Systems als Datentreuhänder den Zugang zu den Kundendaten: Ohne Zustimmung des Datentreuhänders oder des Kunden erhält Microsoft keinen Zugriff. Wird diese Zustimmung durch den Datentreuhänder erteilt, greift Microsoft nur unter dessen Aufsicht zeitlich begrenzt auf die Kundendaten zu. „Die Microsoft Cloud Deutschland ist unsere Antwort auf die wachsende Nachfrage nach Microsoft Cloud-Diensten in Deutschland und Europa. Azure Deutschland unterstützt unsere Kunden dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Compliance-Richtlinien einzuhalten“, erklärte Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, bei der Vorstellung der Microsoft Cloud Deutschland im September 2016.

Weshalb stößt dieses, in Bezug auf den Datenschutz doch eigentlich so „wasserdichte“ Konzept bei den so auf Datenschutz bedachten deutschen Unternehmen dann auf so wenig Gegenliebe? Im Handelsblatt-Beitrag werden zuerst einmal technische Gründe genannt. Als weltweiter Konzern ist es für Microsoft sicherlich ein ziemlicher Aufwand, die „deutsche Insellösung“ im T-Systems-Rechenzentrum auf dem neuesten Stand zu halten. Und diesen Aufwand möchte man sich dann auch entsprechend bezahlen lassen. Kein Wunder, dass das Handelsblatt als zweiten Grund die deutlich höheren Kosten für den Bezug der Microsoft Cloud Services aus der Microsoft Cloud Deutschland nennt. Fast möchte man dem Kommentator des Handelsblatt-Beitrags rechtgeben: „Warum sollte man Microsoft die wichtigen Daten geben, wenn es günstigere Lösungen hier in Deutschland auch von kleineren und sicheren Anbietern gibt?“

Reicht ein Rechenzentrumsstandort Deutschland bei amerikanischen Cloud Service Providern aus?

Und noch ein Themenbereich sorgt derzeit für Unruhe bei amerikanischen Cloud Service Providern. Für den Frühsommer wird das Urteil des US-Supreme Courts in einem Rechtstreit zwischen Microsoft und der US-Justiz erwartet, der bereits einige Jahre läuft. Es geht um die Herausgabe von Benutzerdaten an die US-Justizbehörden, die in einem Microsoft Rechenzentrum in Irland abgespeichert sind. Der Fall verweist auf die Diskrepanz zwischen US-Gesetzen, die Internet-Unternehmen und Cloud Computing Provider zur “Mitarbeit”, d.h. Herausgabe von Nutzerdaten, auffordern, und deutschem, bzw. europäischem Datenschutzrecht – die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) tritt am 25. Mai 2018 in Kraft – das den Schutz personenbezogener Daten von EU-Bürgern oberste Priorität einräumt.

Man darf gespannt sein, wie der Supreme Court unter dem Eindruck von “Make America Great Again” entscheiden wird. Im Fall einer Entscheidung für die Herausgabe von Nutzerdaten an US-Behörden, selbst wenn diese im Ausland, z.B. in Europa gespeichert sind, würde dies eine „Zwickmühle“ für Microsoft und alle anderen US-Cloud Service Provider bedeuten. Egal wie die Unternehmen zukünftig verfahren, verstoßen sie entweder gegen europäisches Datenschutzrecht oder gegen eine Anordnung ihres obersten Gerichts.

Cloud Computing Markt boomt – auch in Deutschland!

Ungeachtet der Probleme mit Microsoft Cloud Deutschland und der US-Justiz kann sich Microsoft derzeit zumindest über ein boomendes Cloud Business freuen -auch in Deutschland. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, plant Microsoft deshalb, in Deutschland zwei neue Rechenzentren zu eröffnen. Die Investitionen liegen im dreistelligen Millionenbereich. Das Magazin zitiert Microsoft-Manager Oliver Gürtler mit den Worten: „Deutschland erwacht derzeit in puncto Cloud“. Das wenig erfolgreiche Treuhandkonzept soll zukünftig nicht mehr zum Einsatz kommen, allerdings wird Kunden angeboten, ihre Daten in Deutschland zu belassen.

Die positive Einschätzung des Microsoft-Managers bestätigen auch die Ergebnisse des aktuellen Cloud Computing-Marktbarometers Deutschland.

Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017
Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017

80 Prozent der Umfrageteilnehmer bewerten ihre aktuelle Geschäftslage im Cloud Computing-Bereich als “sehr gut” oder “gut”, weitere 15 Prozent als “befriedigend”.

Und auch die Prognose der befragten Unternehmen über die zukünftige Entwicklung des deutschen Cloud Computing-Marktes fällt positiv aus.

Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017
Quelle: Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017

Die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer (98 %) geht von einem weiteren Wachstum des deutschen Cloud Computing-Marktes im Jahr 2018 aus.

Cloud Computing-Marktbarometer Deutschland 2017: Ergebnissbericht anfordern

Ziel des Cloud Computing-Marktbarometers Deutschland 2017, der zum Jahreswechsel 2017/2018 durchgeführt wurde, war es, einen aktuellen Status sowie eine Prognose zur zukünftigen Entwicklung des deutschen Marktes für Cloud Computing-Lösungen aus Anbietersicht abzufragen. Befragt wurden dazu deutsche Cloud Service Provider sowie Anbieter von Beratungsdienstleistungen im Cloud Computing-Umfeld in Deutschland. Die Ergebnisse liegen nun vor und können in Form eines Ergebnisberichts angefordert werden.

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