Interview mit Joachim Schreiner: Salesforce.com auf dem Weg in Wolke Nummer 2

Ende März lud der Cloud Computing-Pionier salesforce.com Kunden und Geschäftspartner zur Cloudforce nach Frankfurt. Neben der Vorstellung der neuesten Produktupdates lag der Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Vorstellung von Chatter, einer neuen Collaboration-Plattform mit Web 2.0 und Social Community-Funktionen. Im Rahmen der Veranstaltung unterhielten wir uns mit Joachim Schreiner, Area Vice President Central Europe und Gastgeber der Veranstaltung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Frage: Salesforce.com bezeichnete sich lange Zeit als SaaS-und PaaS-Anbieter der ersten Stunde. Mittlerweile liest man fast ausschließlich den Begriff „Cloud Computing-Pionier“. Gibt es Gründe für diese Umbenennung?

Joachim Schreiner

Joachim Schreiner:
Wir bieten auch heute noch SaaS- und PaaS-Lösungen. Doch je deutlicher es wurde, dass sich der Markt in diese Richtung dreht, umso mehr schmückten sich andere Anbieter mit diesen Kürzeln, unabhängig davon, wie lange und wie intensiv sie sich mit diesen Themen beschäftigt hatten. Cloud Computing ist deshalb ein passender Oberbegriff für beide Begriffe und im Gegensatz zu vielen Marktbegleitern beschäftigen wir uns in der Tat bereits seit zehn Jahren mit diesem Geschäftsmodell.

Frage: Das Thema Cloud Computing wird derzeit in Deutschland immer noch kontrovers diskutiert und es gibt nicht wenige, die dem Modell skeptisch gegenüber stehen. Stellen Sie in Ihrem täglichen Geschäft diese Besonderheiten im deutschen Markt fest?

Joachim Schreiner:
Sehen Sie sich doch um. Wir haben hier über 500 Teilnehmer aus deutschen Unternehmen unterschiedlichster Größe, die sich einen Tag Zeit nehmen, um mit uns über Cloud Computing zu sprechen. Von Skepsis kann ich dabei nicht viel feststellen. Natürlich denken viele Unternehmen darüber nach, wie sie sich am besten dem Cloud Computing-Thema stellen, und wir helfen ihnen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

Frage: Wenn es um das Thema Skepsis oder Bedenken im Zusammenhang mit Cloud Computing geht, wird häufig der CIO als Chef-Bedenkenträger genannt. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu?

Joachim Schreiner:
Die Rolle des CIO oder IT-Leiters ändert sich derzeit grundlegend. Das Kürzel CIO wird in Zukunft für „Chief Integration Officer“ bzw. „Chief Innovation Officer“ stehen und ihm damit völlig neue Aufgaben zuweisen. Cloud Computing wird ihm dabei helfen, diese neue Rolle optimal auszufüllen. Dass derzeit noch nicht alle CIOs bereit sind, diesen Wandel mitzumachen, kann ich bestätigen, doch werden sie diesen Wandel nicht aufhalten können.

Frage: Thematisch spielt das Thema Sicherheit in der Diskussion über Cloud Computing immer noch eine große Rolle. Was können Sie zu dieser Diskussion beitragen?

Joachim Schreiner:
Das wichtigste, was wir dazu beitragen können, ist, unseren Job zu machen. Denn dann wird jeder Kunde erkennen, dass wir ihm ein Maß an Sicherheit und Verfügbarkeit bieten können, das weit über dem liegt, was er selbst in der Lage ist, zu erbringen. Es gibt keine Sicherheitsbedenken, die wir nicht ausräumen könnten. Was bleibt, ist ein emotionales Thema.

Frage: Bitkom-Präsident Prof. Scheer brachte unter anderem vor dem Hintergrund gesetzlicher Regelungen zum Datenschutz vor kurzem eine „deutsche Cloud“ ins Gespräch. Was halten Sie als internationaler Anbieter von dieser Idee?

Joachim Schreiner:
Generell widerspricht so ein Vorschlag natürlich völlig der Idee und dem globalen Ansatz des Cloud Computing. Ansonsten kann ich mich nur nochmals wiederholen, dass das Thema Sicherheit in der Regel sehr emotional diskutiert wird.

Frage: Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Sie präsentieren hier auf der Cloudforce eine weitere Beta-Version Ihres neuen Collaboration-Tools Chatter. Können Sie etwas zu Chatter sagen?

Joachim Schreiner:
Chatter entstand aus der Idee, Funktionalitäten wie wir sie heute aus Social Communities wie Facebook und Twitter kennen, auch für Unternehmen verfügbar zu machen. Unser Firmengründer Marc Benioff sagt immer: „Ich weiß über meine Freunde mehr als über meine Mitarbeiter und Kollegen!“ Genau dies möchten wir mit Chatter ändern. Damit sind Unternehmen in Zukunft in der Lage, Informationen und Dokumente wie in einer Social Community auszutauschen und damit produktiver zu arbeiten. Es stimmt, wir zeigen hier noch eine Beta-Version. Ich gehe aber davon aus, dass wir es im zweiten Quartal dieses Jahres freischalten werden.

Vielen Dank für das Gespräch!


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5 Gedanken zu „Interview mit Joachim Schreiner: Salesforce.com auf dem Weg in Wolke Nummer 2

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  2. Duke

    Generell widerspricht so ein Vorschlag natürlich völlig der Idee und dem globalen Ansatz des Cloud Computing. Ansonsten kann ich mich nur nochmals wiederholen, dass das Thema Sicherheit in der Regel sehr emotional diskutiert wird.

    Datenschutz wird offenbar von Herrn Schreiner mit Datensicherheit gleichgesetzt. Obwohl letzteres den Datenschutz unterstützen kann, handelt es sich doch um zwei verschiedene Bereiche. Solange Cloud Provider das nicht verstanden haben und die Bedenken auch in rechtlicher Hinsicht wirklich ausgeräumt haben, dürfen sie sich nicht wundern, wenn Vorbehalte zum Cloud Computing bestehen.

  3. Duke

    Wieso steht hier eine Kommentarfunktion zur Verfügung, wenn kritische Kommentare entfernt werden? *kopfschüttel*

  4. redaktion Beitragsautor

    Hier wird nix gelöscht. Wobei wir Kommentare – ob kritisch oder nicht – von “Dukes” und anderen anonymen Kommentatoren nicht sehr zielführend finden, sondern uns immer freuen, wenn sich Kommentatoren auch zu erkennen geben.

  5. Duke

    Bitte um Entschuldigung, ich nehme alles zurück! Das Erscheinen der Kommentare hat offensichtlich länger gedauert, so dass ich irrtümlich annahm, Sie würden Cloud Computing-kritische Kommentare löschen bzw. gar nicht erst veröffentlichen. Sind meine posts ja letztlich doch noch erschienen 😉

    Ich lese Ihren Blog regelmäßig und gerne und hatte mich schon gewundert.

    Meine Anonymität möchte ich trotzdem gerne bewahren und bitte um Ihr Verständnis, bei Rückfragen haben Sie ja meine e-mail-Adresse.

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